Wer im Norden Spaniens wandern möchte, bekommt im Gebirge der Picos de Europa spektakuläre Schluchten, grüne Täler und schroffe Kalkgipfel auf engem Raum. Gleichzeitig ist das Gelände anspruchsvoller, als viele Bilder vermuten lassen. Ich zeige dir, welche Routen sich für Einsteiger eignen, wo Trekking wirklich hochalpin wird, wie du Anreise und Übernachtung planst und welche Ausrüstung im Nationalpark den Unterschied macht.
Die wichtigsten Fakten für deine Tourenplanung
- Drei Regionen prägen den Nationalpark: Asturien, Kantabrien und Kastilien-León.
- Die Ruta del Cares ist 11 km pro Strecke lang und nicht automatisch ein Rundweg.
- Lagos de Covadonga bietet eine kurze, familienfreundliche Runde mit 3 oder 5 km.
- Wetterwechsel, Nebel und fehlendes Wasser in den Hochflächen sind die größten praktischen Risiken.
- Freies Zelten ist verboten. Ein eingeschränktes Biwak ist oberhalb von 1.600 m möglich.
Was dieses spanische Kalkgebirge so besonders macht
Der Nationalpark liegt an der spanischen Atlantikküste und verteilt sich auf Asturien, Kantabrien und die Provinz León. Mit rund 66.000 Hektar ist er groß genug für mehrtägige Trekkingrouten, wirkt auf den Wegen aber oft erstaunlich wild und abgeschieden.
Geografisch besteht das Gebiet aus drei Massiven. Im Westen liegt das Cornión-Massiv, im Zentrum das besonders schroffe Urrieles-Massiv und im Osten das Ándara-Massiv. Die höchste Erhebung, der Torrecerredo mit etwa 2.646 Metern, ist zwar kein Extremgipfel im europäischen Vergleich, doch die steilen Flanken und tief eingeschnittenen Täler machen viele Wege technisch anspruchsvoll.
Mich beeindruckt vor allem der schnelle Wechsel der Landschaft. Innerhalb weniger Stunden gehst du durch Buchenwald, über grüne Almen, entlang von Kalkwänden und schließlich durch karstige Hochflächen mit Dolinen und Geröll. Dieses Karstgelände speichert Wasser nur schlecht, weshalb Quellen in höheren Lagen unzuverlässig oder völlig trocken sein können.
Wer eine einfache Mittelgebirgswanderung erwartet, sollte seine Planung korrigieren. Viele Wege sind gut markiert, aber nicht durchgehend bequem. Schmale Pfade, loses Gestein, starke Anstiege und plötzlicher Nebel gehören hier zum normalen Bergalltag.

Die besten Routen für Einsteiger und erfahrene Wanderer
Die passende Route hängt weniger von der Entfernung als von Höhenmetern, Untergrund und Exposition ab. Eine kurze Wanderung kann deutlich anspruchsvoller sein als ein längerer Weg durch ein Tal.
| Route | Länge und Zeit | Schwierigkeit | Für wen sie passt |
|---|---|---|---|
| Lagos de Covadonga | 3 km oder 5 km, etwa 1 bis 2,5 Stunden | Leicht | Einsteiger, Familien, kurze Panoramarunde |
| Ruta del Cares | 11 km pro Strecke, rund 22 km hin und zurück | Mittel | Ausdauernde Tageswanderer |
| Sotres zur Vega de Urriellu | 12 km pro Strecke, 1.070 Höhenmeter, etwa 8 Stunden hin und zurück | Mittel, im Winter schwer | Erfahrene Bergwanderer |
| Vega de Liordes | 11 km, 970 Höhenmeter, etwa 5,5 Stunden | Mittel bis schwer | Wanderer mit guter Kondition |
| Ruta de la Reconquista | 58,6 km, mindestens 3 Etappen | Schwer | Mehrtagestouren und Hüttentrekking |
Die Ruta del Cares
Die berühmte Cares-Schlucht ist der beste Einstieg in die Landschaft, wenn du spektakuläre Felswände ohne alpine Gipfelambitionen erleben möchtest. Der Weg verbindet Poncebos und Caín und verläuft über weite Strecken hoch über dem Fluss Cares.
Die Strecke ist technisch nicht extrem, verlangt aber Konzentration. Sie ist linear, daher musst du für den Rückweg entweder weitere 11 km einplanen, einen Transfer organisieren oder die Route in eine mehrtägige Tour integrieren. An sonnigen Wochenenden wird es voll, weshalb ich möglichst früh starte.
Die Seen von Covadonga
Rund um den Lago Enol und den Lago Ercina verläuft eine kurze, gut zugängliche Runde. Die 5-Kilometer-Variante dauert ungefähr zweieinhalb Stunden, während die verkürzte Strecke mit 3 km in etwa einer Stunde machbar ist.
Diese Wanderung ist ideal für den ersten Tag oder für Familien. Sie zeigt bereits viele typische Elemente der Region, darunter Weideflächen, Buchenwald, alte Bergbauareale und weite Aussichtspunkte, ohne dich sofort in abgelegenes Hochgebirge zu führen.
Vega de Urriellu und der Naranjo de Bulnes
Von Sotres zur Vega de Urriellu führt ein langer Bergweg ins zentrale Massiv. Der Aufstieg umfasst rund 1.070 Höhenmeter und dauert laut offizieller Wegbeschreibung etwa vier Stunden. Hin und zurück sind acht Stunden realistisch.
Das Ziel liegt am Fuß des markanten Picu Urriellu, der auch Naranjo de Bulnes genannt wird. Für mich ist das eine der eindrucksvollsten Bergkulissen des Landes. Bei Schnee oder Vereisung verändert sich der Charakter des Weges jedoch komplett, dann reicht normale Wanderausrüstung nicht mehr aus.
So planst du Tageswanderung und Trekking richtig
Für eine erste Reise würde ich nicht versuchen, den gesamten Nationalpark von einem einzigen Standort aus zu erkunden. Die Täler sind durch kurvige Bergstraßen getrennt, und eine vermeintlich kurze Autofahrt kann deutlich länger dauern als erwartet.
Teile das Gebiet am besten in Sektoren auf. Cangas de Onís und Covadonga eignen sich für die westlichen Wege, Poncebos und Sotres für die Cares-Schlucht und das zentrale Massiv. Rund um Fuente Dé oder Camaleño erreichst du die kantabrische Südseite, während Posada de Valdeón einen guten Ausgangspunkt für ruhigere Wege bietet.
Ein sinnvoller Ablauf für fünf Tage
- Beginne mit den Seen von Covadonga und prüfe dabei Kondition, Wetter und Ausrüstung.
- Plane die Ruta del Cares als lange Tagestour mit frühem Start.
- Nutze einen weiteren Tag für Bulnes oder einen kürzeren Weg rund um Sotres.
- Erkunde bei Fuente Dé die Hochflächen oder wandere zur Vega de Liordes.
- Halte einen Reservetag für schlechtes Wetter oder notwendige Routenänderungen frei.
Bei einer Hüttentour solltest du Etappen nicht nur nach Kilometern planen. 500 Höhenmeter auf grobem Kalkgestein können mehr Zeit kosten als 1.000 Höhenmeter auf einem gleichmäßigen Waldweg. Rechne außerdem genügend Zeit für Pausen, Orientierung und den Rückweg ein.
Die bewirtschafteten Berghütten sind meist saisonal geöffnet, häufig von kurz vor Ostern bis Anfang Dezember. Außerhalb dieser Zeit gibt es teilweise einfache Notbereiche, doch das ist kein Ersatz für eine gebuchte Unterkunft. Ich würde jede Übernachtung und jeden Wasserpunkt vor der Abreise einzeln prüfen.
Für Mehrtagestouren sind die markierten Fernwege GR-201 und GR-202 interessant. Die Ruta de la Reconquista führt über 58,6 km durch verschiedene Landschaftsräume. Sie ist kein gemütlicher Spazierweg, sondern eine anspruchsvolle Durchquerung, die mindestens drei gut vorbereitete Etappen erfordert.
Wetter, Ausrüstung und Sicherheit im Gebirge
Das atlantische Klima sorgt für saftiges Grün, aber auch für rasche Wetterwechsel. Im Tal kann die Sonne scheinen, während weiter oben Nebel, Wind oder Schneefelder warten. Besonders tückisch ist dichter Nebel auf karstigen Hochflächen, weil dann Wegspuren und Geländekanten schwer zu erkennen sind.
Die angenehmste Zeit für klassische Wanderungen liegt meist zwischen Juni und September. Im Mai und Oktober ist die Landschaft oft ruhiger und farbenreicher, gleichzeitig musst du mit nassen Wegen und wechselhaften Bedingungen rechnen. Von November bis April können Schnee, Eis und verkürzte Tageslichtzeiten aus einer Wanderung eine alpine Unternehmung machen.
Meine Grundausrüstung
- Stabile knöchelhohe Wanderschuhe mit griffiger Sohle
- Wasserdichte Jacke und eine warme Zwischenschicht
- Mindestens 2 Liter Wasser pro Person, bei langen Hochgebirgstouren mehr
- Offline-Karte, geladener Akku und zusätzlich eine Papierkarte
- Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set und Rettungsdecke
- Sonnenschutz, Sonnenbrille und Kopfbedeckung
- Stöcke für Geröll, lange Abstiege und nasse Wege
Im Winter oder bei hartem Altschnee können Grödel oder Steigeisen, Pickel und entsprechende Erfahrung notwendig werden. Wer diese Ausrüstung nicht sicher beherrscht, sollte die Route verschieben oder einen Bergführer engagieren. Schlechtes Wetter ist ein legitimer Umkehrgrund, kein Zeichen schlechter Vorbereitung.
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Wichtige Regeln im Nationalpark
Bleibe auf markierten Wegen, schließe Weidetore und halte Abstand zu Tieren. Feuer sind verboten, und freies Zelten ist nicht erlaubt. Ein eingeschränktes Biwak kann oberhalb von 1.600 Metern zulässig sein, wobei das Zelt frühestens eine Stunde vor Sonnenuntergang aufgebaut und spätestens eine Stunde nach Sonnenaufgang wieder abgebaut werden muss.
In den oberen karstigen Bereichen gibt es nicht zuverlässig Wasser. Ich verlasse mich dort nie auf eine einzelne Quelle, sondern trage einen ausreichenden Vorrat und informiere mich vor dem Start über die aktuelle Situation. Bei Nebel solltest du nicht querfeldein abkürzen, sondern an einer sicheren Stelle warten oder umkehren.
Anreise, Zugang und Übernachtung
Für Reisende aus Deutschland ist ein Mietwagen oft die praktischste Lösung, weil die wichtigsten Ausgangspunkte weit auseinanderliegen. Die Regionen sind über die Flughäfen von Bilbao, Santander oder Asturien erreichbar. Wer ohne Auto unterwegs ist, sollte die Unterkunft direkt an einer Busverbindung oder nahe einem Ausgangspunkt der geplanten Wanderung wählen.
Der Zugang zu den Lagos de Covadonga ist an ausgewählten Tagen im Jahr 2026 für Privatfahrzeuge eingeschränkt. Dann fährt ein Shuttlebus ab Cangas de Onís und weiteren Parkplätzen. Das Ticket für Erwachsene kostet aktuell 9 Euro, für Kinder von 4 bis 12 Jahren 3,50 Euro, Kinder bis 3 Jahre fahren kostenlos mit. Eine frühzeitige Reservierung sichert den gewünschten Platz.
Auch die Seilbahn von Fuente Dé kann die Tourenplanung deutlich erleichtern. Sie bringt dich schnell auf eine hoch gelegene Ausgangshöhe, nimmt dir aber nicht die Verantwortung für Wetter, Wegzustand und Rückweg ab. Online-Tickets werden in Zeitfenstern verkauft und sollten in der Hauptsaison früh reserviert werden.
Im Tal findest du Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze. Für eine Hüttentour solltest du die jeweiligen Öffnungszeiten, Schlafplätze und Reservierungsbedingungen direkt vor der Reise kontrollieren. Eine günstige Unterkunft im Tal lohnt sich besonders dann, wenn du mehrere Tageswanderungen planst und dein Gepäck nicht täglich tragen möchtest.
Bei linearen Routen wie der Cares-Schlucht oder einer Etappe der Reconquista musst du den Rücktransport von Anfang an mitdenken. Taxi, Bus oder ein organisierter Transfer können sinnvoller sein, als nach zehn Stunden Bergweg noch zum Ausgangspunkt zurückzulaufen.
So wird deine erste Tour dort wirklich gut
Ich würde für den ersten Besuch eine Kombination aus einer leichten Runde, der Cares-Schlucht und einer höher gelegenen Wanderung wählen. So bekommst du ein realistisches Gefühl für Landschaft, Wetter und Höhenmeter, ohne die Reise sofort von einer schwierigen Mehrtagestour abhängig zu machen.
Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist dabei nicht das teuerste GPS-Gerät, sondern eine ehrliche Einschätzung der eigenen Kräfte. Wer früh startet, genügend Wasser trägt, die Rückkehr plant und bei Nebel konsequent umdreht, erlebt dieses außergewöhnliche Gebirge intensiv und mit deutlich weniger Stress.