Wer den GR 20 auf Korsika plant, muss vor allem wissen, wie sich die 16 Tagesetappen wirklich unterscheiden. Ich zeige dir die klassische Nord-Süd-Einteilung von Calenzana nach Conca, ordne Gehzeiten und Schwierigkeit ein und gebe konkrete Hinweise zu Richtung, Hütten, Reservierungen, Ausrüstung und sinnvoller Vorbereitung.
Die wichtigsten Eckdaten auf einen Blick
- 16 Etappen führen über rund 180 bis 200 Kilometer durch Korsikas Hochgebirge.
- Die tägliche Gehzeit liegt meist bei 4 bis 9,5 Stunden ohne längere Pausen.
- Der Nordteil ist technisch anspruchsvoller, der Südteil meist gleichmäßiger, aber keineswegs leicht.
- Für die Saison 2026 sind bewirtschaftete Hütten des Parc naturel régional de Corse vom 16. Mai bis 4. Oktober geöffnet.
- Übernachtungen und Bivouac-Plätze müssen reserviert werden, auch bei einem eigenen Zelt.

Die 16 Etappen des GR 20 von Calenzana nach Conca
Die folgende Übersicht folgt der klassischen Richtung von Nord nach Süd. Gehzeiten sind Richtwerte ohne Pausen. Je nach Wetter, Gepäck, Wegzustand und persönlichem Tempo können sie deutlich abweichen. Auch die Kilometerangaben unterscheiden sich in Karten und Führern, weil manche Varianten und Zu- oder Abstiege zu Unterkünften unterschiedlich gemessen werden.
| Etappe | Verbindung | Gehzeit | Charakter |
|---|---|---|---|
| 1 | Calenzana - Ortu di u Piobbu | ca. 7 Stunden | Sehr steiler Auftakt, etwa 1.500 Höhenmeter Aufstieg |
| 2 | Ortu di u Piobbu - Carrozzu | ca. 6,5 Stunden | Rauer Granit, kräftiger Abstieg und ausgesetzte Passagen |
| 3 | Carrozzu - Ascu Stagnu | ca. 5,5 Stunden | Kurze, technischere Etappe mit steilen Blockfeldern |
| 4 | Ascu Stagnu - Tighjettu | ca. 9,5 Stunden | Eine der härtesten Etappen mit viel Auf- und Abstieg |
| 5 | Tighjettu - Ciottulu di i Mori | ca. 6 Stunden | Hochgebirge, Pässe und lange felsige Abschnitte |
| 6 | Ciottulu di i Mori - Manganu | ca. 9 Stunden | Lange Verbindung mit großer Distanz und viel Ausdauerbedarf |
| 7 | Manganu - Petra Piana | ca. 6 Stunden | Technischer Übergang über felsige Hochflächen |
| 8 | Petra Piana - L’Onda | ca. 4 Stunden | Kürzere, aber steile Etappe mit wechselndem Untergrund |
| 9 | L’Onda - Vizzavona | ca. 7,5 Stunden | Sehr langer Abstieg und anspruchsvoller Übergang in den Wald |
| 10 | Vizzavona - E Capannelle | ca. 5,5 Stunden | Wald, offene Hänge und meist gut strukturierter Weg |
| 11 | E Capannelle - Prati | ca. 4,5 Stunden | Eine vergleichsweise entspannte Etappe mit schönen Kammabschnitten |
| 12 | Prati - Usciolu | ca. 7,5 Stunden | Ausgesetzter Gratweg, viele kleine Gegenanstiege |
| 13 | Usciolu - A Matalza | ca. 5,5 Stunden | Offene Landschaft, Granit und lange Querungen |
| 14 | A Matalza - Asinau | ca. 4 Stunden | Kürzere Etappe, aber mit steilen Passagen und rauem Gelände |
| 15 | Asinau - Paliri über Bavella | ca. 4 bis 5 Stunden | Markante Felskulisse der Aiguilles de Bavella |
| 16 | Paliri - Conca | ca. 7 Stunden | Langer Schlusstag mit starkem Abstieg nach Conca |
Die vierte Etappe rund um den Monte Cinto und die lange Verbindung nach Manganu werden besonders häufig unterschätzt. Ich würde dort nicht nach der reinen Kilometerzahl planen. Fels, Händeinsatz, Geröll und langsames Vorankommen machen aus einer scheinbar kurzen Strecke schnell einen ganzen Tag.
Wie viele Tage sollte man für die Durchquerung einplanen
Die klassische Planung sieht 16 Wandertage vor, also eine offizielle Etappe pro Tag. Realistisch sind mit An- und Abreise, Reservetag und einer möglichen Erholungspause eher 17 bis 19 Kalendertage. Wer sehr fit ist, kann einzelne Etappen verbinden, verliert dadurch aber Reserven für Wetterumschwünge oder körperliche Probleme.
Die Mitte bei Vizzavona eignet sich besonders gut zum Ein- oder Ausstieg. Der Ort ist über Straße und Bahn erreichbar und bietet mehr Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten als die meisten abgelegenen Hütten. Deshalb ist eine Teilung in Calenzana bis Vizzavona und Vizzavona bis Conca für viele Wanderer die sinnvollere Variante.
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Nord-Süd oder Süd-Nord
Von Calenzana nach Conca zu starten, ist die verbreitetste Richtung. Der Nordteil beginnt sofort anspruchsvoll, dafür gewöhnst du dich früh an den felsigen Untergrund und die steilen Anstiege. In der Gegenrichtung sind manche Abstiege technisch unangenehm, besonders bei Nässe und mit schwerem Rucksack.
Ich bevorzuge für die meisten Trekker die Nord-Süd-Richtung, wenn ausreichend Zeit für einen langsamen Start vorhanden ist. Wer den technisch schwierigeren Norden vermeiden oder zuerst einen ruhigeren Einstieg möchte, kann in Vizzavona beginnen und den südlichen Abschnitt gehen.
Welche Etappen sind besonders schwer
Der GR 20 ist kein gewöhnlicher Fernwanderweg. Viele Abschnitte führen durch alpines Gelände mit glatten Felsplatten, losem Geröll, schmalen Graten und steilen Abstiegen. Die Schwierigkeit entsteht weniger durch einzelne Kletterstellen als durch die Kombination aus Höhenmetern, technischer Wegführung und langen Tagen.
- Etappe 1 fordert mit dem langen Aufstieg von Calenzana gleich am ersten Tag. Ein früher Start ist hier besonders wichtig.
- Etappe 4 ist technisch und konditionell eine Schlüsselstelle. Die frühere Route durch den Cirque de la Solitude wurde nach einem schweren Unfall verändert. Die heutige offizielle Führung verläuft über eine anspruchsvolle Umgehung.
- Etappe 6 ist vor allem wegen ihrer Länge schwierig. Müdigkeit wird hier zum größeren Problem als die einzelne Passage.
- Etappe 9 belastet die Knie durch den langen Abstieg nach Vizzavona. Wanderstöcke können dort spürbar helfen.
- Etappe 12 über die Grate zwischen Prati und Usciolu verlangt Trittsicherheit und Konzentration, obwohl die Landschaft oft freundlich wirkt.
- Etappe 16 endet nicht gemütlich. Der Abstieg nach Conca ist lang und kann nach zwei Wochen Trekking sehr zäh werden.
Der Süden gilt als technisch etwas leichter, doch das ist kein Freifahrtschein für Anfänger. Auch dort gibt es ausgesetzte Passagen, steile Geröllwege und lange Höhenunterschiede. Bei Regen verändert sich die Bewertung sofort, weil Felsen und Wurzeln rutschig werden.
Übernachtung, Verpflegung und Reservierung im Jahr 2026
Für die Saison 2026 sind die bewirtschafteten Hütten des Parc naturel régional de Corse vom 16. Mai bis einschließlich 4. Oktober geöffnet. Die konkreten Bedingungen können sich ändern, deshalb prüfe ich vor jeder Tour den aktuellen Weg- und Hüttenstatus sowie mögliche Sperrungen.
Eine Übernachtung muss reserviert werden. Das gilt auch für den Bivouac mit eigenem Zelt. Wildes Zelten außerhalb der vorgesehenen Plätze ist nicht erlaubt. Die Hütten sind funktional und einfach, bieten aber normalerweise Kochmöglichkeiten, Sanitäranlagen, Wasser, kleine Einkaufsmöglichkeiten und je nach Standort warme Mahlzeiten.
| Leistung | Richtpreis 2026 |
|---|---|
| Schlafplatz im Refuge | 20 Euro pro Person |
| Bivouac-Platz | 12 Euro pro Person |
| Mietzelt für eine Person | 27 Euro inklusive Bivouac |
| Mietzelt für zwei Personen | 39 Euro inklusive zwei Bivouac-Plätzen |
| Frühstück, Lunchpaket oder Abendessen | Jeweils ungefähr 10, 10 und 20 Euro |
Für drei Mahlzeiten pro Tag solltest du grob mit 50 Euro zusätzlich pro Wandertag rechnen. Das Abendessen wird vor Ort bestellt, meist musst du dafür spätestens gegen 18 Uhr ankommen. Reservierte Plätze werden nach den aktuellen Bedingungen nur bis zum frühen Abend garantiert, weshalb ich bei langen Etappen nicht bis zur letzten Minute kalkuliere.
Was in den Rucksack gehört und wie du trainierst
Ein leichter Rucksack ist angenehm, aber beim GR 20 darf Leichtbau nicht bedeuten, wichtige Sicherheitsausrüstung wegzulassen. Selbst bei Hüttenübernachtung brauchst du einen Schlafsack, eine warme Schicht, wasserdichte Kleidung, Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke und ausreichend Trinkkapazität.
- stabile Bergwanderschuhe mit griffiger Sohle
- Regenjacke und zusätzliche warme Schicht
- mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser, bei Hitze mehr
- Stirnlampe mit geladenem Akku oder Ersatzbatterien
- Rettungsdecke, Erste-Hilfe-Set und persönliche Medikamente
- Offline-Karte, GPX-Datei und eine einfache Orientierungsmöglichkeit
- Sonnenhut, Sonnencreme und Lippenpflege mit UV-Schutz
Für die Vorbereitung halte ich lange Spaziergänge allein für unzureichend. Besser sind zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche, darunter eine Tour mit 800 bis 1.200 Höhenmetern und einem Rucksack, der dem späteren Gewicht möglichst nahekommt. Entscheidend ist nicht nur die Kondition, sondern auch, an mehreren Tagen hintereinander belastbar zu bleiben.
Neue Schuhe, ungeprüfte Rucksäcke oder eine völlig neue Ernährung gehören nicht auf die erste Etappe. Gerade Blasen und Knieprobleme entstehen oft nicht durch fehlende Fitness, sondern durch schlecht getestete Ausrüstung und zu hohes Anfangstempo.
So plane ich die Etappen ohne unnötigen Stress
Ich lege die Tagesziele nicht ausschließlich nach der Hüttenliste fest. Zuerst prüfe ich, welche Etappen die größten Höhenunterschiede und die technisch schwierigsten Stellen enthalten. Danach plane ich frühe Starts an langen Tagen, einen Reservetag und genügend Spielraum für Gewitter oder starke Hitze.
- Entscheide dich für Richtung und Zeitraum.
- Markiere die Schlüsselabschnitte im Norden sowie die langen Tage bei Manganu und Vizzavona.
- Reserviere Refuge oder Bivouac für jede geplante Nacht.
- Plane Wasser, Mahlzeiten und mögliche Einkaufspunkte vorab.
- Prüfe kurz vor jeder Etappe Wetter, Wegzustand und körperliche Verfassung.
Bei Gewitter, Nebel oder starkem Wind verschiebe ich eine ausgesetzte Gratpassage lieber, statt einen Zeitplan zu erzwingen. Eine verlorene Reservierung ist ärgerlich, ein Unfall im Hochgebirge deutlich folgenreicher. Auch Hunde sind auf Teilen des Weges wegen schmaler, steiler und rutschiger Passagen keine gute Idee.
Die richtige Etappe ist wichtiger als ein schneller Zieleinlauf
Die 16 Abschnitte machen den GR 20 planbar, aber sie sind keine unveränderlichen Leistungsvorgaben. Wer die schwierigsten Tage realistisch einschätzt, früh startet und Wetter sowie Erholung ernst nimmt, erlebt die Granitlandschaften, Wälder und Grate deutlich entspannter.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb, die Route nicht auf Bestzeit zu trimmen. Ein zusätzlicher Reservetag, ein leichter Rucksack und ehrliche Selbsteinschätzung bringen auf diesem Weg mehr als ein möglichst ambitionierter Etappenplan.