Ein türkisblauer See auf 1.813 Metern klingt nach einem leichten Ausflugsziel, doch der Weg zum Schrecksee hat es in sich. Die Schrecksee-Wanderung ist eine lange, steile Bergtour mit Geröll, ausgesetzten Passagen und wechselhaftem Wetter. Hier findest du die wichtigsten Angaben zu Route, Gehzeit, Ausrüstung, Anreise und den Regeln im Naturschutzgebiet.
Die wichtigsten Fakten für deine Tour zum Schrecksee
- Ausgangspunkt: Hinterstein oder verkürzt ab dem Elektrizitätswerk Auele mit dem Wanderbus
- Strecke: ab Auele etwa 16 Kilometer hin und zurück
- Gehzeit: rund 8 bis 9 Stunden ab Auele, ab Hinterstein deutlich länger
- Höhenunterschied: ungefähr 1.060 Höhenmeter im Aufstieg
- Schwierigkeit: anspruchsvolle Bergwanderung für trittsichere und ausdauernde Wanderer
- Wichtig: Zelten, Biwakieren, Drohnenflüge und Feuer sind im Schutzgebiet verboten

Was dich auf dem Weg zum Schrecksee erwartet
Der Schrecksee liegt in einem abgeschiedenen Hochtal der Allgäuer Alpen und ist von markanten Gipfeln wie Rauhorn, Kastenkopf und Lahnerkopf umgeben. Genau diese Lage macht den See so eindrucksvoll, aber auch die Tour dorthin anstrengend. Der See ist kein Spazierziel, sondern das Ziel einer ausgewachsenen Bergwanderung.
Ich würde die Strecke konditionell ungefähr mit einer mittleren Gipfeltour vergleichen. Technisches Klettern ist auf dem klassischen Zustieg von Hinterstein nicht nötig, trotzdem verlangen steile Pfade, Geröll und kurze ausgesetzte Stellen sichere Schritte. Bei Regen wird der Untergrund schnell rutschig, bei Gewitter können die offenen Hänge lebensgefährlich werden.
| Variante | Strecke und Zeit | Für wen geeignet |
|---|---|---|
| Ab Elektrizitätswerk Auele | ca. 16 km, 8 bis 9 Stunden | Ausdauernde Bergwanderer |
| Ab Hinterstein | zusätzlich etwa 45 Minuten je Richtung | Sehr gut trainierte Wanderer mit frühem Start |
| Runde ab Vilsalpsee | ca. 16,8 km, etwa 7 Stunden 40 Minuten | Erfahrene Bergwanderer mit Orientierungssicherheit |
Die Angaben schwanken je nach Startpunkt, Pausen und gewählter Runde. Für die einfache Hin- und Rücktour ab Auele solltest du die genannten acht bis neun Stunden reine Gehzeit ernst nehmen und zusätzliche Zeit für Fotopausen einplanen.
Die klassische Route von Hinterstein
Der übliche Zustieg beginnt in Hinterstein. Wer den Weg abkürzen möchte, fährt mit dem Wanderbus bis zum Elektrizitätswerk Auele. Zu Fuß sind es vom Parkplatz in Hinterstein bis dorthin ungefähr 45 Minuten pro Strecke. Diese Abkürzung ist für mich die sinnvollere Wahl, weil sie den langen Tag etwas besser kalkulierbar macht.
Ab Auele führt der Weg zunächst über Wiesen und anschließend durch Wald deutlich bergauf. Ein kleiner Speicherteich am Taufersbach ist ein markanter Orientierungspunkt. Danach wird das Gelände offener, steiniger und zunehmend alpiner.
Im Bereich der Taufersalpe und des anschließenden Geröllkars wechseln sich steile Anstiege, kurze flachere Abschnitte und felsige Passagen ab. An einigen Stellen können Wasser, feuchter Fels und lose Steine den Schritt unsicher machen. Stöcke helfen beim Auf- und Abstieg, ersetzen aber keine Trittsicherheit.
Der Schrecksee taucht oft später auf, als man erwartet. Nach dem letzten anstrengenden Abschnitt öffnet sich plötzlich der Blick auf das grün-türkise Wasser und die umliegenden Gipfel. Der erste Eindruck ist tatsächlich spektakulär, doch am See ist die Tour noch nicht vorbei. Für den Rückweg vom See bis Auele solltest du je nach Tempo und Bedingungen zweieinhalb bis vier Stunden einrechnen.
Schwierigkeit, Gehzeit und die richtige Selbsteinschätzung
Die Route wird teilweise als mittelschwer, teilweise als schwer eingestuft. Meine Einschätzung liegt dazwischen mit deutlicher Tendenz zu anspruchsvoll. Entscheidend ist nicht nur die Länge, sondern die Kombination aus mehr als 1.000 Höhenmetern, alpinem Gelände und langem Rückweg.
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Diese Voraussetzungen solltest du mitbringen
- mehrstündiges Wandern mit stetigem Anstieg gewohnt sein
- auf steinigem und unebenem Untergrund sicher gehen können
- bei ausgesetzten Stellen ruhig bleiben
- auch im Abstieg noch konzentriert auftreten können
- eine realistische Umkehrentscheidung treffen können
Wer regelmäßig leichte Talwanderungen unternimmt, sollte den Schrecksee nicht als erste Bergtour wählen. Besser ist eine kürzere Tour mit ähnlichem Höhenunterschied als Vorbereitung. Die Fitness für den Hinweg reicht nicht automatisch für den Rückweg, gerade wenn die Knie im Abstieg bereits müde sind.
Am Speicherteich hast du erst ungefähr ein Viertel der Strecke, aber rund 35 Prozent des Höhenanstiegs geschafft. An der Taufersalpe sind es etwa 55 Prozent der Strecke und 60 Prozent der Höhenmeter. Diese Zwischenpunkte eignen sich gut, um ehrlich zu prüfen, ob Zeit, Wetter und Kraftreserven noch passen.
Beste Jahreszeit und Wetterbedingungen
Die beste Zeit liegt meist zwischen Juli und September, bei günstiger Schneelage auch im Oktober. Die vollständige Schneeschmelze kann sich bis in den Frühsommer ziehen. Altschneefelder in steilen Passagen sind deutlich gefährlicher als trockener Sommerweg und gehören nicht in die Planung einer normalen Wanderung.
Ein stabiler Wettertag ist wichtiger als ein wolkenloser Himmel. Bei angekündigten Gewittern, Dauerregen oder starkem Wind würde ich die Tour verschieben. Der Weg führt über längere Zeit durch offenes Gelände, und am See gibt es keine Hütte, in die du dich bei einem Wettersturz einfach zurückziehen kannst.
Starte früh, besonders an warmen Wochenendtagen. So vermeidest du die größte Hitze, hast mehr Zeit für den Rückweg und reduzierst das Risiko, in der Dämmerung unterwegs zu sein. Eine Stirnlampe gehört trotzdem in den Rucksack, auch wenn du sie hoffentlich nicht brauchst.
Ausrüstung und Verpflegung für die Bergtour
Für den Weg reichen normale Sportschuhe nicht aus. Ich würde knöchelhohe Bergschuhe mit griffiger Sohle tragen, weil sie auf Geröll und nassen Steinen deutlich mehr Sicherheit bieten. Dazu kommen Regenjacke, warme Zusatzschicht und Wanderstöcke, denn das Wetter kann sich in den Allgäuer Hochalpen schnell ändern.
- 2 bis 3 Liter Wasser pro Person, bei Hitze mehr
- ausreichend energiereiche Verpflegung für den ganzen Tag
- Offline-Wanderkarte oder GPS-Gerät mit geladener Route
- Powerbank, Erste-Hilfe-Set und Rettungsdecke
- Sonnencreme, Sonnenbrille und Kopfbedeckung
- Stirnlampe und trockene Ersatzsocken
Auf der klassischen Strecke gibt es keine verlässliche Einkehrmöglichkeit. Verlasse dich deshalb nicht auf eine spontane Brotzeit oder eine offene Hütte. Wasser aus Bächen würde ich nur nach sicherer Prüfung und mit geeigneter Aufbereitung trinken, nicht ungefiltert als feste Versorgungsplanung einrechnen.
Auch ein gutes Smartphone ersetzt keine Vorbereitung. In abgelegenen Bereichen können Empfang und Akkulaufzeit problematisch sein. Speichere die Route offline und informiere eine Person zu Hause über Startpunkt, Ziel und geplante Rückkehr.
Naturschutz, Verhalten und mögliche Varianten
Die gesamte Tour liegt im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Bleibe auf dem markierten Weg, nimm deinen Müll wieder mit und halte Abstand zu Weidetieren. Hunde müssen an die Leine, Musik und unnötiger Lärm passen nicht in dieses empfindliche alpine Gebiet.
Zelten und Biwakieren sind verboten. Gleiches gilt für Feuer, Grillen und Drohnenflüge. Der Schrecksee ist ein Naturraum und kein frei nutzbarer Campingplatz oder Badesee. Wer dort übernachten möchte, muss eine legale Unterkunft im Tal oder eine dafür zugelassene Hütte einplanen.
Rund um den See gibt es reizvolle Blickwinkel, doch nicht jede sichtbare Spur ist ein sinnvoller Wanderweg. Abstecher zu Gipfeln wie Knappenkopf oder Kastenkopf führen teilweise durch steiles, wegloses Gelände. Das ist eine andere Kategorie als der Zustieg und sollte nur mit alpiner Erfahrung und sicherer Orientierung angegangen werden.
Eine anspruchsvolle Alternative führt vom österreichischen Vilsalpsee über die Hintere Schafwanne zum Schrecksee und weiter zur Landsberger Hütte. Die Runde verbindet mehrere Bergseen und bietet eine Einkehrmöglichkeit, enthält aber ebenfalls steile Abschnitte und kurze leichte Kletterstellen. Sie ist deshalb nicht automatisch einfacher, nur weil sie auf dem Papier etwas kürzer wirkt.
So wird der Tag am Schrecksee wirklich gelungen
Plane die Tour nicht nur bis zum schönsten Fotopunkt, sondern bis zurück zum Ausgangspunkt. Wenn Wolken aufziehen, der Untergrund nass wird oder du später dran bist als gedacht, ist Umkehren eine gute Bergentscheidung und kein Misserfolg.
Wer früh startet, das Wetter nüchtern beurteilt und genug Zeit für den Abstieg lässt, erlebt hier eine der eindrucksvollsten Berglandschaften im Allgäu. Für mich liegt der Reiz nicht allein im türkisfarbenen See, sondern im Wechsel der Landschaft von Wald über Geröll bis zum offenen Hochtal. Genau deshalb verdient diese Wanderung Respekt, gute Vorbereitung und ein möglichst rücksichtsvolles Verhalten.