Am Einstieg wirkt das Klettersteigset schnell selbsterklärend, doch ein falsch befestigter Gurt oder ein übersehener Karabinerverschluss kann im Ernstfall gravierende Folgen haben. Ich zeige dir, wie du das Set korrekt am Klettergurt befestigst, beide Karabiner sicher am Stahlseil führst, an Verankerungen umhängst und typische Fehler vermeidest. Dazu gehören auch die richtige Gewichtsklasse, der Partnercheck, das Rasten und die Kontrolle nach einem Sturz.
Eine saubere Vorbereitung macht die Sicherung zuverlässig
- Gurt: Hüftgurt oberhalb der Hüftknochen eng anlegen und alle Verschlüsse kontrollieren.
- Befestigung: Die Einbindeschlaufe des Sets nach Herstelleranleitung am freigegebenen Anseilpunkt befestigen.
- Karabiner: Im Klettersteig bleiben normalerweise beide Karabiner am Stahlseil eingehängt.
- Umhängen: An jeder Verankerung wird ein Karabiner nach dem anderen umgesetzt.
- Gewicht: Das zulässige Gesamtgewicht von Person und Ausrüstung beachten, bei vielen Sets 40 bis 120 kg.
- Sturz: Nach einer Auslösung des Bandfalldämpfers muss das komplette Klettersteigset ersetzt werden.
Vor dem Einstieg müssen Gurt und Set zusammenpassen
Ein Klettersteigset besteht aus einem Bandfalldämpfer, zwei elastischen Lastarmen und zwei Klettersteigkarabinern. Der Bandfalldämpfer baut im Sturzfall Energie ab, indem sich vernähte Bandschlaufen kontrolliert aufreißen. Genau deshalb ist das Set kein komfortables Verbindungsmittel für beliebige Situationen, sondern ein reines Notfallsystem.
Für mich beginnt die Sicherheitskontrolle nicht erst am Stahlseil. Ich lege das Set vollständig aus, entwirre die Lastarme und prüfe, ob das Dämpferpaket unbeschädigt ist. Rote oder aufgerissene Nähte, Schnitte, starke Scheuerstellen, geschmolzene Bereiche oder ein schwergängiger Karabiner sind Gründe, das Material nicht weiterzuverwenden.
| Bauteil | Aufgabe | Worauf ich achte |
|---|---|---|
| Klettergurt | Überträgt die Kräfte auf den Körper | Hüftgurt sitzt oberhalb der Hüftknochen, Beinschlaufen liegen an, Verschlüsse sind geschlossen |
| Einbindeschlaufe | Verbindet Set und Gurt | Nur den vom Hersteller freigegebenen Anseilpunkt verwenden |
| Bandfalldämpfer | Reduziert die Belastung bei einem Sturz | Keine sichtbare Auslösung, keine Veränderungen oder Knoten |
| Klettersteigkarabiner | Verbindung zum Stahlseil | Verschluss funktioniert selbstständig und der Schnapper schließt vollständig |
Das Set sollte der EN 958:2017 entsprechen. Bei gängigen Modellen liegt das zulässige Gesamtgewicht inklusive Kleidung, Rucksack und weiterer Ausrüstung zwischen 40 und 120 Kilogramm. Entscheidend ist immer die Kennzeichnung deines konkreten Sets, nicht eine allgemeine Angabe aus dem Internet.
Das Klettersteigset richtig anlegen in fünf Schritten
1. Den Klettergurt korrekt einstellen
Ziehe zuerst den Klettergurt über die Kleidung und schließe den Hüftgurt oberhalb des Beckens. Er sollte eng anliegen, ohne einzuschnüren. Wenn sich der Gurt leicht über die Hüftknochen nach unten ziehen lässt, sitzt er zu locker. Die Beinschlaufen dürfen Bewegungen nicht behindern, sollten aber ebenfalls nicht lose herabhängen.
Bei einem Winterklettersteig oder mehreren Kleidungsschichten kontrolliere ich den Sitz nach dem Anziehen der Jacke erneut. Ein Gurt, der im Tal passt, kann nach einer zusätzlichen Schicht zu locker sein. Materialschlaufen sind übrigens nur für Ausrüstung gedacht und keine Sicherungspunkte.
2. Die Einbindeschlaufe befestigen
Die Einbindeschlaufe des Klettersteigsets wird entsprechend der Gebrauchsanleitung am dafür freigegebenen Anseilpunkt des Gurts befestigt. Bei vielen klassischen Sets geschieht das mit einem Ankerstich. Dafür führst du die Einbindeschlaufe durch den Anseilpunkt, steckst das komplette Set durch die Schlaufe und ziehst die Verbindung sauber fest.
Die konkrete Konstruktion kann sich je nach Hersteller und Gurt unterscheiden. Deshalb hat die Originalanleitung Vorrang. Befestige das Set niemals an einer Materialschlaufe und hänge einen Lastarm nicht zusätzlich in den Gurt ein. Dadurch kann der Bandfalldämpfer im Sturzfall wirkungslos werden.
3. Karabiner und Lastarme entwirren
Beide elastischen Arme müssen frei hängen und dürfen nicht um den Körper oder den Hals geschlungen sein. Die Karabiner sollten mit den Schnappern nach außen zeigen und sich ohne Verkanten bedienen lassen. Vor dem Einstieg drücke ich jeden Verschluss einmal auf und lasse ihn los, um zu prüfen, ob er selbstständig wieder schließt.
4. Den Partnercheck durchführen
Vor dem ersten Schritt kontrolliert ihr euch gegenseitig. Dabei prüft die zweite Person den geschlossenen Hüftgurt, die Beinschlaufen, die Befestigung des Sets, den Bandfalldämpfer, den Helm und beide Karabiner. Ein Partnercheck dauert weniger als eine Minute und entdeckt oft genau jene kleinen Fehler, die man selbst übersieht.
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5. Erst danach ins Stahlseil einhängen
Am Einstieg werden beide Klettersteigkarabiner in das Stahlseil eingehängt. Der Verschluss muss vollständig geschlossen sein. Ich ziehe die Karabiner nicht mit Gewalt über scharfe Kanten und lasse die Lastarme möglichst körpernah laufen, damit sie sich nicht an Tritten oder Felsvorsprüngen verfangen.
So bleibst du während der Tour durchgehend gesichert
Die wichtigste Regel ist einfach, wird aber gerade bei Anfängern hektisch umgesetzt. Mindestens ein Karabiner bleibt immer im Stahlseil. An einer Zwischenverankerung öffnest du zuerst nur einen Karabiner, führst ihn auf die andere Seite der Verankerung und lässt ihn schließen. Erst dann wird der zweite Karabiner umgesetzt.
- Den ersten Karabiner öffnen und über die Verankerung führen.
- Kontrollieren, ob der Schnapper wieder geschlossen ist.
- Den zweiten Karabiner öffnen und ebenfalls umhängen.
- Beide Karabiner kurz auf korrekten Sitz prüfen.
Zwischen zwei Verankerungen sollte sich nur eine Person befinden. Stürzt jemand, kann die nachfolgende Person sonst in denselben Abschnitt prallen. In stark frequentierten Steigen ist deshalb Abstand genauso wichtig wie die technische Bedienung.
Die Lastarme dürfen nicht verknotet, verkürzt oder über den Bandfalldämpfer hinweg befestigt werden. Auch ein Karabiner, der gerade nicht am Stahlseil hängt, gehört nicht in ein tragendes Teil des Gurts. Wenn du vorübergehend nur einen Arm nutzt, wird der zweite nach Herstelleranleitung verstaut, häufig am Karabiner des verwendeten Arms.
Ein Klettersteigset ist nicht dafür gedacht, einen Sturz bewusst auszuprobieren. Selbst bei korrekter Funktion drohen Aufpralle auf Eisenbügel, Fels oder Verankerungen. Ich plane schwierige Passagen daher so, dass ich möglichst nicht ins Set stürze, sondern sauber trete, ruhig atme und frühzeitig pausiere.
Rasten und schwierige Passagen sicher bewältigen
Eine Rastschlinge ist eine zusätzliche, meist kürzere Verbindung zum Ausruhen. Sie wird an einer dafür geeigneten Verankerung oder Sprosse eingehängt, während beide Lastarme im Stahlseil bleiben. Die Rastschlinge ersetzt den Bandfalldämpfer nicht und darf nicht als alleinige Sicherung für einen Sturz betrachtet werden.
Gerade in einer steilen Wand ist eine kurze Pause sinnvoller, als erschöpft weiterzuklettern. Ich hänge mich so ein, dass ich stabil stehe oder leicht im Gurt sitze, ohne an der Rastschlinge zu schwingen. Bei Querungen oder ungünstigen Winkeln sollte das Verbindungsmittel nicht über scharfe Kanten laufen.
Für Kinder, sehr leichte Personen und Menschen mit hohem Körpergewicht gelten besondere Bedingungen. Liegt das Gesamtgewicht außerhalb des Bereichs auf dem Set, reicht dieses Modell allein nicht aus. Dann braucht es eine zusätzliche Seilsicherung durch eine ausgebildete Person und eine passende Sicherungstechnik.
Auch Anfänger profitieren in ausgesetzten oder überhängenden Passagen von einer zusätzlichen Seilsicherung. Das Klettersteigset reduziert zwar die Folgen eines Sturzes, verhindert aber weder den Sturz selbst noch Verletzungen durch den Aufprall. Bei Gewitter, nassem Fels oder unsicherer Kondition ist der Rückzug die vernünftigere Entscheidung.
Typische Fehler beim Anlegen und Benutzen
- Nur ein Karabiner am Seil: Beide Arme sind für die durchgehende Verbindung vorgesehen.
- Beide Karabiner gleichzeitig offen: Beim Umhängen besteht dann kurzzeitig keine Sicherung.
- Falscher Befestigungspunkt: Materialschlaufen und beliebige Gurtschlaufen tragen keine Fanglast.
- Bandfalldämpfer übersehen: Ein ausgelöstes Dämpferpaket sieht manchmal nur leicht verändert aus, ist aber nicht mehr verwendbar.
- Rastschlinge als Fallsicherung: Eine statische Rastschlinge ist nicht für einen Fangstoß konstruiert.
- Lastarme verknoten: Dadurch kann die Energieaufnahme des Sets verhindert oder verändert werden.
- Zu großer Abstand: Auf einem stark besuchten Klettersteig steigt bei dichtem Aufrücken die Kollisionsgefahr.
Ein besonders hartnäckiger Irrtum ist die Vorstellung, ein modernes Set mache jede Route sicher. Die Ausrüstung kann nur innerhalb ihrer vorgesehenen Gewichtsklasse und bei korrekter Anwendung funktionieren. Schwierigkeit, Körpergröße, Kraft, Erfahrung und Wetter müssen zusammenpassen.
Nach der Tour zählt die Kontrolle genauso wie der Einstieg
Nach jeder Tour kontrolliere ich Gurtschlaufen, Lastarme, Nähte, Karabiner und den Bandfalldämpfer. Schmutz lässt sich vorsichtig nach Herstellerangabe entfernen, anschließend muss das Material vollständig trocknen. Gelagert wird das Set trocken, dunkel und geschützt vor UV-Strahlung, Hitze und Chemikalien.
Nach einem Sturz wird das Klettersteigset sofort ausgesondert, auch wenn äußerlich kaum etwas zu erkennen ist. Der Bandfalldämpfer hat dann möglicherweise Energie aufgenommen und kann bei einem weiteren Ereignis nicht mehr zuverlässig arbeiten. Ebenso sollte das Set nicht weiter benutzt werden, wenn du bei der Prüfung auch nur den geringsten Zweifel an seiner Sicherheit hast.
Die Lebensdauer ist vom Modell, der Nutzung und den Herstellerangaben abhängig. Eine regelmäßige Kontrolle durch eine sachkundige Person ist besonders bei Mietmaterial, häufig genutzter Ausrüstung oder älteren Sets sinnvoll. Eigenmächtige Reparaturen und das Austauschen einzelner Bauteile gehören nicht in die heimische Bastelkiste.
Mit dieser Routine beginnt der Klettersteig entspannt
Das sichere Anlegen lässt sich auf eine feste Reihenfolge reduzieren. Gurt anpassen, Set nach Anleitung befestigen, Bandfalldämpfer und Karabiner prüfen, Partnercheck durchführen und erst dann beide Karabiner ins Stahlseil einhängen. Wer diese Abläufe vor jeder Tour gleich ausführt, gewinnt Ruhe für das eigentliche Klettern und reduziert die häufigsten Bedienfehler deutlich.
Bei der ersten Tour empfehle ich eine leichte Route der Schwierigkeit A oder B und idealerweise eine Einweisung durch eine erfahrene Person. Ein paar Minuten Übung am Einstieg sind gut investiert, denn am Fels sollte das Umhängen später automatisch, ruhig und ohne beide Karabiner gleichzeitig zu lösen funktionieren.