Ein Gewitter kann beim Camping innerhalb weniger Minuten aus einer gemütlichen Nacht im Freien eine gefährliche Situation machen. Beim Zelten bei Gewitter kommt es deshalb nicht auf besonders robuste Zeltstoffe an, sondern auf die richtige Entscheidung: rechtzeitig einen geschützten Ort aufsuchen, elektrische Leitungen trennen und Abstand zu Gefahrenstellen halten.
Die wichtigsten Entscheidungen fallen vor dem nächsten Donnerschlag
- Das Zelt schützt nicht vor Blitzeinschlag und ist kein sicherer Aufenthaltsort.
- Gebäude mit Blitzschutz oder ein geschlossenes Auto bieten den zuverlässigsten Schutz.
- Bei weniger als 30 Sekunden zwischen Blitz und Donner ist das Gewitter bereits gefährlich nah.
- Einzelne Bäume, offene Flächen, Wasser und Metallzäune unbedingt meiden.
- Nach dem letzten Donner mindestens 30 Minuten warten, bevor die Aktivität fortgesetzt wird.

Warum ein normales Zelt keinen sicheren Schutz bietet
Ein kleines Trekkingzelt hält Regen, Wind und bis zu einem gewissen Grad auch Hagel ab. Gegen einen Blitz hilft die Plane jedoch nicht. Ein Zelt ohne fachgerecht geplante Metallkonstruktion und Erdung ist laut VDE blitzschutztechnisch ungefähr so unsicher wie der Aufenthalt im Freien.
Auch eine Isomatte schützt nicht vor einem Blitzschlag. Sie kann den Komfort erhöhen, verhindert aber weder einen direkten Einschlag noch gefährliche Spannungen, die sich über den Boden ausbreiten. Metallgestänge, Abspannseile und nasse Zeltwände sollte ich deshalb nicht berühren.
Große Veranstaltungszelte mit verbundenem Metallgerüst, Erdungsanlage und geprüftem Blitzschutz sind ein anderer Fall. Von einem privaten Campingzelt darf ich diese Eigenschaften aber nicht ableiten. Wenn der Campingplatz ein Gebäude oder einen ausgewiesenen Schutzraum anbietet, verlasse ich das Zelt und gehe dorthin.
Gewitter früh erkennen und den Abbruch vorbereiten
Die beste Sicherheitsmaßnahme beginnt nicht beim ersten lauten Donner, sondern bei der Wetterbeobachtung. Dunkle, hoch aufragende Wolken, plötzlich auffrischender Wind, Hagel oder ein elektrisches Kribbeln in der Luft sind für mich klare Zeichen, die geplante Tour oder den Badeausflug sofort zu beenden.
Zwischen Blitz und Donner liegen ungefähr drei Sekunden pro Kilometer. Bei 30 Sekunden beträgt die Entfernung des Gewitters grob zehn Kilometer. Das ist keine komfortable Vorwarnzeit mehr, sondern der Moment, in dem ich bereits im Schutzraum sein sollte.
Diese Vorbereitung macht im Ernstfall den Unterschied
- Vor dem Aufbau prüfen, wo sich Sanitärgebäude, Rezeption oder ein stabiles Gebäude befinden.
- Eine alternative Abbruchroute und bei abgelegenen Plätzen die mögliche Autofahrt einplanen.
- Powerbanks, Lampen, Schuhe und wichtige Dokumente griffbereit halten.
- Das Zelt nicht auf Anhöhen, neben einzelnen Bäumen, Masten oder am Waldrand aufstellen.
- Zwischen benachbarten Zelten und Fahrzeugen möglichst mindestens drei Meter Abstand lassen.
Ich baue das Lager außerdem nicht in einer Mulde auf, in der sich Wasser sammeln kann. Bei Starkregen kann aus einem vermeintlich geschützten Platz schnell eine Überschwemmungsstelle werden. Die Wettergefahr besteht also nicht nur aus Blitzen, sondern auch aus Wind, Hagel, umstürzenden Ästen und Überflutung.
Was auf dem Campingplatz jetzt zu tun ist
Sobald das Gewitter näher kommt, suche ich ein geschlossenes Gebäude mit funktionierendem Blitzschutz auf. Ein offener Unterstand, ein Pavillon oder ein überdachtes Waschbecken ist nicht automatisch sicher. Nur weil ein Dach vorhanden ist, muss der Bereich noch keinen wirksamen Blitzschutz bieten.
Ist kein Gebäude erreichbar, kann ein geschlossenes Auto mit Metallkarosserie die bessere Zuflucht sein. Türen und Fenster bleiben geschlossen. Ein Fahrzeug mit Kunststoffaufbau oder ein Wohnmobil ohne ausreichend leitende Metallkonstruktion sollte nicht einfach als gleichwertiger Ersatz betrachtet werden.
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Elektrik und Ausrüstung sichern
Auf dem Campingplatz trenne ich 230-Volt-Anschlüsse am Stellplatz, sofern das gefahrlos möglich ist, und entferne Außenantennen. Kabel, Ladegeräte und Metallgegenstände sollten nicht unnötig angefasst werden, während das Gewitter bereits direkt über dem Platz steht.
Fahrräder, Trekkingstöcke, Zeltstangen und Wäscheständer gehören weg von Aufenthaltsbereichen. Sie ziehen Blitze nicht automatisch an, können bei einem Einschlag aber gefährliche Ströme weiterleiten. Besonders wichtig ist Abstand zu Stromleitungen, Masten, Zäunen und größeren Metallkonstruktionen.
Der Deutsche Alpenverein weist ebenfalls darauf hin, dass ein Zelt bei Gewitter kein sicherer Aufenthaltsort ist. Für mich ist das die wichtigste praktische Regel: Nicht im Zelt ausharren, nur weil man dort trocken bleibt.
Wenn kein Gebäude erreichbar ist
Manchmal zieht das Gewitter beim Wandern, Radfahren oder auf einer Trekkingroute schneller auf als erwartet. Dann zählt nicht die perfekte Lösung, sondern die Risikoreduktion. Ich entferne mich von Gipfeln, Graten, freistehenden Bäumen, Gewässern, Zäunen und anderen erhöhten Punkten.
Auf einer offenen Fläche gehe ich in eine Mulde oder Senke, sofern diese nicht überschwemmt wird. Die Füße bleiben eng zusammen, ich gehe möglichst in die Hocke und mache mich klein. Hinlegen sollte ich mich nicht, weil dadurch eine größere Körperfläche mit dem Boden in Kontakt kommt.
- Mindestens einige Meter Abstand zu anderen Personen halten, damit ein Einschlag nicht mehrere Menschen gleichzeitig gefährdet.
- Metallische Ausrüstung vom Körper entfernen und nicht zwischen den Füßen platzieren.
- Nicht unter einen einzelnen Baum stellen. Dichter Wald ist günstiger, aber auch dort Abstand zu Stämmen und Ästen halten.
- Wasser sofort verlassen, auch Seen, Flüsse und Freibäder.
- Bei Verletzten zuerst den Notruf wählen. Menschen sind nach einem Blitzschlag nicht elektrisch geladen und dürfen berührt werden.
Diese Hockposition ist nur eine Notmaßnahme ohne sicheren Schutzraum. Sie macht einen direkten Einschlag nicht ungefährlich. Sobald ein Gebäude oder ein geeignetes Fahrzeug erreichbar ist, hat der Weg dorthin Vorrang.
Besondere Risiken bei Wohnmobil, Caravan und Kochen
Ein Wohnwagen oder Wohnmobil kann bei Gewitter mehr Schutz bieten als ein Zelt, aber das hängt von seiner Konstruktion und der elektrischen Installation ab. Bei einem Caravan trenne ich die Verbindung zum Stromnetz, schließe Fenster und Türen und befolge die Hinweise des Campingplatzbetreibers.
Während des Gewitters verzichte ich auf Duschen, Abwaschen und den Kontakt mit angeschlossenen elektrischen Geräten. In einem Fahrzeug mit Metallkarosserie bleibe ich sitzen und berühre möglichst keine metallischen Teile, die direkt mit der Außenhaut verbunden sind.
Auch der Gaskocher gehört jetzt nicht in den Mittelpunkt. Starker Wind kann Flammen umstoßen, und nasse Böden erhöhen die Rutschgefahr. Das Essen kann warten, bis mindestens 30 Minuten nach dem letzten Donner vergangen sind.
Die wichtigste Campingentscheidung fällt vor dem ersten Donner
Ich beende einen Aufenthalt im Zelt nicht erst dann, wenn der Regen die Plane peitscht. Sobald eine Gewitterzelle näher kommt, verlasse ich den Zeltplatz und suche ein geprüftes Gebäude oder ein geeignetes Auto auf. Die Minuten vor dem ersten Donner sind oft die wertvollste Sicherheitsreserve.
Wer regelmäßig Wetterwarnungen prüft, Fluchtwege kennt und das Zelt nicht an exponierter Stelle aufbaut, reduziert das Risiko deutlich. Trotzdem bleibt die klare Grenze bestehen: Ein normales Zelt ist Wetterschutz, aber kein Blitzschutz. Nach dem Gewitter kontrolliere ich Zelt, Bäume, Stromkabel und Wege erst dann, wenn die Wartezeit vorbei ist und keine neue Gewitterzelle folgt.