Wer auf La Palma wandern möchte, findet auf engem Raum Vulkankämme, tiefe Schluchten, dichte Lorbeerwälder und aussichtsreiche Höhenwege. Ich zeige dir, welche Routen sich für unterschiedliche Konditionsniveaus eignen, wie du Wetter und Wegzustand einschätzt und was bei Ausrüstung, Anreise und Sicherheit wirklich zählt.
Die wichtigsten Entscheidungen für gelungene Wandertage auf La Palma
- Routenvielfalt: Von kurzen Waldwegen bis zu anspruchsvollen Vulkanetappen ist alles dabei.
- Beste Planung: Wetter, Wegsperrungen und Rücktransport müssen vor jeder Tour geprüft werden.
- Top-Erlebnisse: Die Caldera de Taburiente, die Vulkanroute und der Lorbeerwald Cubo de La Galga gehören zu den stärksten Zielen.
- Ausrüstung: Feste Schuhe, ausreichend Wasser, Sonnenschutz und Offline-Navigation sind keine Nebensachen.
- Schwierigkeit: Die Kilometerzahl allein sagt wenig aus, weil Höhenmeter, Hitze und Untergrund die Belastung stark verändern.

Warum La Palma eine besondere Wanderinsel ist
La Palma wirkt auf der Landkarte kompakt, ist beim Wandern aber erstaunlich anspruchsvoll. Zwischen Meereshöhe und dem Roque de los Muchachos mit 2.426 Metern liegen kurze Distanzen, doch die Höhenunterschiede sind beträchtlich. Genau dieser Wechsel macht die Insel so reizvoll, verlangt aber eine bessere Planung als ein gewöhnlicher Spaziergang an der Küste.
Ich mag an La Palma besonders, dass sich die Landschaft nicht nur mit jedem Kilometer, sondern oft schon nach jeder Kurve verändert. Auf der Cumbre Vieja läufst du durch schwarze Asche und erkaltete Lava, während im Norden feuchte Passatluft für dichten Lorbeerwald sorgt. In der Caldera kommen Wasserläufe, Kiefern und gewaltige Felswände hinzu.
Die Wege sind meist gut markiert. PR-Wege sind weiß-gelb gekennzeichnet, Fernwanderwege der Kategorie GR weiß-rot. Trotzdem verlasse ich mich nie ausschließlich auf Markierungen oder eine Wander-App. Nebel, Abzweigungen, lose Vulkansteine und gelegentliche Sperrungen können aus einer einfachen Tagestour schnell eine unangenehme Situation machen.
Welche Routen sich für welches Ziel eignen
Die beste Wanderung gibt es meiner Ansicht nach nicht. Die richtige Route hängt davon ab, ob du Vulkane sehen, im Schatten laufen, Höhenmeter sammeln oder eine möglichst entspannte Tour unternehmen möchtest. Die folgende Übersicht hilft bei der ersten Auswahl.
| Route | Ungefährer Umfang | Schwierigkeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Cubo de La Galga | ca. 9 km, rund 3,5 Stunden | leicht bis mittel | Grüner Lorbeerwald und schattige Pfade |
| Caldera de Taburiente | ca. 13 bis 14 km, etwa 6 Stunden | mittel bis anspruchsvoll | Schlucht, Wasserläufe und große Felskulisse |
| Ruta de los Volcanes | ca. 18 bis 24 km, 6 bis 8,5 Stunden | anspruchsvoll | Vulkankegel, Aschefelder und weite Ausblicke |
| Marcos y Cordero | kurze Variante ca. 7 km, lange Variante ca. 13,5 km | anspruchsvoll | Wassertunnel, Quellen und Lorbeerwald |
| GR 130 oder GR 131 | mehrtägig oder in Einzeletappen | mittel bis anspruchsvoll | Küstenorte, Bergkämme und Inselquerung |
Vulkane auf der Cumbre Vieja
Die Ruta de los Volcanes ist die bekannteste Trekkingtour der Insel. Je nach Start- und Endpunkt kommt sie auf ungefähr 18 bis 24 Kilometer und überwindet rund 1.200 Höhenmeter. Der Weg führt über die Vulkanlandschaft zwischen Refugio del Pilar und Fuencaliente, wobei Varianten bis zu den Salinen oder nur bis Los Canarios möglich sind.
Technisch ist die Strecke nicht überall schwierig, körperlich aber sehr fordernd. Schwarzer Lapilli, also lockere vulkanische Asche, gibt bei jedem Schritt etwas nach. Ich würde diese Tour nur mit guter Grundkondition, frühem Start und mindestens 2 bis 3 Litern Wasser pro Person angehen. Schatten ist selten, und bei Wind oder Nebel kann die offene Kammregion deutlich ungemütlicher werden.
Die Caldera de Taburiente
Der Nationalpark im Inselinneren ist die richtige Wahl, wenn du eine dramatische Berglandschaft mit Kiefern, Schluchten und Wasser erleben möchtest. Eine beliebte Variante beginnt bei Los Brecitos und führt durch die Caldera in Richtung Barranco de las Angustias. Sie ist ungefähr 13 Kilometer lang und dauert je nach Pausen und Wegzustand rund sechs Stunden.
Die Strecke wird häufig unterschätzt, weil ein Teil bergab führt. Gerade der steinige Abschnitt durch die Schlucht fordert jedoch Knie und Konzentration. Festes Schuhwerk ist hier wichtiger als besonders leichtes Gepäck. Vor dem Start prüfe ich außerdem den aktuellen Zustand der Wege, denn Steinschlag und Starkregen können einzelne Abschnitte kurzfristig unpassierbar machen.
Cubo de La Galga für Waldliebhaber
Der Rundweg durch den Cubo de La Galga im Nordosten ist eine hervorragende Wahl für einen halben Wandertag. Auf ungefähr 9 Kilometern erlebst du einen feuchten Lorbeerwald, Farne und schmale Pfade mit deutlich angenehmerem Schatten als auf der Vulkanroute. Bei wechselhaftem Wetter kann der Untergrund rutschig werden, technisch bleibt die Tour aber überschaubar.
Diese Route empfehle ich besonders dann, wenn du La Palma mit Kindern oder ohne lange Bergetappen kennenlernen möchtest. Sie ist nicht völlig flach, aber deutlich verzeihender als die großen Höhenwege. Nach Regentagen solltest du die Gehzeit etwas großzügiger planen.
Marcos y Cordero mit Tunneln und Wasserläufen
Die Tour zu den Nacientes de Marcos y Cordero gehört zu den ungewöhnlichsten Wanderungen der Insel. Der Weg führt durch bis zu 13 Wassertunnel, vorbei an Quellen und durch eine üppige Berglandschaft. Für die lange Variante bis Los Tilos sind etwa sechs bis sieben Stunden realistisch.
Hier ist die aktuelle Weglage besonders wichtig. Die offizielle Routenseite führt den Weg derzeit als vollständig geschlossen. Das kann sich ändern, sollte aber niemals durch spontanes Umgehen von Absperrungen ignoriert werden. Wenn die Route geöffnet ist, gehören Stirnlampe, wasserdichte Kleidung und je nach Abschnitt ein leichter Helm in den Rucksack. Das Handylicht reicht in den Tunneln nicht zuverlässig aus.
Wetter und Wegzustand entscheiden über die Tour
La Palma kann am selben Tag mehrere Wetterwelten bieten. Am Meer scheint die Sonne, während auf dem Kamm dichter Nebel aufzieht und die Temperatur deutlich sinkt. Als grobe Orientierung rechne ich in höheren Lagen mit einem Temperaturunterschied von mehr als 10 Grad gegenüber der Küste, abhängig von Höhe, Wind und Bewölkung.
Für viele Wanderer sind Frühling und Herbst die angenehmsten Jahreszeiten. Im Winter sind die Temperaturen oft mild, doch atlantische Wetterfronten bringen Regen und rutschige Wege. Im Sommer bleibt es an der Küste warm, während schattige Waldtouren angenehmer sein können. Die Vulkanroute ist dann wegen Sonne und fehlender Deckung besonders anstrengend.
Vor jeder längeren Tour kontrolliere ich drei Dinge. Erstens die Wettervorhersage für den konkreten Höhenbereich, zweitens offizielle Sperrungen und drittens die Rückkehrzeit bei einer Streckentour. Bei Unwetterwarnungen, starkem Wind, Gewitter oder hoher Waldbrandgefahr können Wege geschlossen werden, selbst wenn der Himmel am Startpunkt freundlich aussieht.
Die Caldera de Taburiente hat ein eigenes Wegenetz und eigene Regeln. Gerade dort solltest du den Empfehlungen des Nationalparks folgen. Ein Weg, der auf einer älteren Karte eingezeichnet ist, muss nach einem Felssturz nicht automatisch begehbar sein.
So planst du eine sichere Tagestour
Ich plane La-Palma-Wanderungen nicht nach Kilometern, sondern nach Höhenmetern, Untergrund und Rücktransport. Zehn Kilometer auf einem festen Küstenweg können leichter sein als sechs Kilometer auf Vulkanasche mit ständigem Auf und Ab. Für die persönliche Einschätzung hilft es, die eigene Leistung von bekannten Mittelgebirgstouren als Vergleich zu nehmen.
Die Grundausrüstung
- Feste Wanderschuhe mit griffiger Sohle
- Mindestens 1,5 bis 3 Liter Wasser, auf der Vulkanroute eher mehr
- Sonnenschutz mit Kopfbedeckung, Sonnenbrille und hohem Lichtschutzfaktor
- Leichte Regen- und Windschicht auch bei sonnigem Wetter
- Offline-Karte, geladener Akku und Powerbank
- Stirnlampe für Tunnel oder verspätete Rückkehr
- Erste-Hilfe-Set und persönliche Medikamente
- Etwas energiereicher Proviant, da nicht jede Route unterwegs Einkaufsmöglichkeiten bietet
Wanderstöcke sind auf den langen Abstiegen in der Caldera und auf losem Lapilli nützlich. Sie ersetzen aber keine trittsicheren Schuhe. Bei Hitze würde ich außerdem nicht darauf vertrauen, unterwegs eine sichere Wasserquelle zu finden. Quellen können saisonal versiegen oder hygienisch ungeeignet sein.
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Tempo und Orientierung
Auf La Palma kostet die Landschaft Zeit. Aussichtspunkte, Fotostopps und kurze Umwege summieren sich schnell, während Gegenverkehr auf schmalen Pfaden zusätzliche Verzögerungen bringt. Ich setze bei langen Touren einen Zeitpuffer von mindestens 60 Minuten an und kehre um, wenn das Wetter kippt oder die geplante Rückkehr vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr realistisch ist.
Informiere eine zweite Person über Route und geplante Rückkehr. In abgelegenen Schluchten ist der Mobilfunk nicht überall verfügbar, bei Marcos y Cordero wird für die Route sogar mit fehlender Netzabdeckung gerechnet. Eine Wander-App ist deshalb ein Hilfsmittel, aber kein Ersatz für Vorbereitung und Eigenverantwortung.
Anreise und Rücktransport ohne unnötigen Stress
Viele der schönsten Wege sind keine Rundwege. Bei der Vulkanroute, der Caldera-Tour ab Los Brecitos und den Fernwanderwegen musst du den Rücktransport bereits vor dem Start klären. Mietwagen, Taxi und lokale Busverbindungen können funktionieren, aber Fahrpläne und Verfügbarkeit sind je nach Ort und Saison unterschiedlich.
Für eine Streckentour plane ich zuerst den Endpunkt und erst danach die Startzeit. Bei einer Route mit Shuttle oder Taxi sollte die Abholung nicht zu knapp kalkuliert sein. Besonders in den Bergregionen kann ein verspäteter Bus bedeuten, dass du lange warten musst oder eine zusätzliche Taxifahrt brauchst.
Wer mehrere Tage wandern möchte, kann den GR 130, den Camino Real de la Costa y Medianías, in einzelne Etappen aufteilen. Der GR 131 verläuft stärker über Höhenzüge und Vulkanregionen. Beide Fernwege lassen sich mit Übernachtungen in Orten kombinieren, sind aber nicht mit einem durchgehend abgeschiedenen Alpen-Weitwanderweg gleichzusetzen. Unterkünfte, Verpflegung und Gepäcktransport müssen auf La Palma genauer abgestimmt werden.
Für Tageswanderer ist eine feste Unterkunft an der West- oder Ostseite oft praktischer als tägliches Wechseln. So lassen sich Touren nach Wetterseite auswählen. Bei Passatwolken kann der Osten feuchter und grüner sein, während die Westseite gleichzeitig sonniger bleibt.
Mein realistischer Plan für eine Wanderwoche
Für eine erste Reise würde ich nicht jeden Tag eine Extremtour ansetzen. Eine gute Mischung besteht aus einer Waldwanderung im Cubo de La Galga, einer Tour in der Caldera, der Vulkanroute mit passender Variante und einer kürzeren Küsten- oder Aussichtstour. So lernst du unterschiedliche Landschaften kennen, ohne die gesamte Reise von Erschöpfung abhängig zu machen.
Die wichtigste Regel lautet für mich: Route an das Wetter anpassen, nicht das Wetter an die Route. Wenn eine Schlucht gesperrt ist oder der Kamm im Sturm liegt, gibt es auf La Palma genügend Alternativen in tieferen und geschützteren Regionen. Genau diese Flexibilität macht aus einer ambitionierten Planung eine gute Trekkingreise.