Der Aufstieg auf das 4.010 Meter hohe Lagginhorn wirkt auf Bildern oft wie ein unkomplizierter Viertausender. Tatsächlich führt die Normalroute über ausgesetztes Blockgelände, lockeren Fels und je nach Jahreszeit über vereiste Firnfelder. Ich zeige, wie der Anstieg über den WSW-Grat verläuft, welche Ausrüstung sinnvoll ist und warum der Abstieg besonders viel Aufmerksamkeit verlangt.
Der Anstieg verlangt alpine Erfahrung und einen sauberen Rückzugsplan
- Route Die heutige bevorzugte Normalroute führt über den WSW-Grat.
- Schwierigkeit SAC WS mit Kletterstellen bis etwa UIAA II und alpinem T5+-Gelände.
- Ausgangspunkt Hohsaas auf ungefähr 3.100 bis 3.140 Metern oder die Weissmieshütte SAC.
- Aufstieg Ab Hohsaas sind rund 4 Stunden bis zum Gipfel realistisch.
- Ausrüstung Helm, Steigeisen, Pickel, Gurt und Seil gehören je nach Verhältnissen ins Gepäck.

Was den Lagginhorn-Normalweg wirklich ausmacht
Das Lagginhorn steht in den östlichen Walliser Alpen oberhalb von Saas-Grund. Der Gipfel ist zwar technisch weniger schwierig als viele andere Viertausender, aber kein gewöhnlicher Wanderberg. Die Route verlangt sichere Orientierung, Trittsicherheit in losem Fels und Erfahrung mit Seiltechnik.
Der Schweizer Alpen-Club bewertet die Normalroute mit WS und Klettergrad 2a. Das bedeutet wenig schwierige Hochtour mit einzelnen leichten Kletterpassagen. Diese Einstufung darf man nicht mit einer markierten Bergwanderung verwechseln, denn Gelände, Wetter und Steinschlag können den Charakter der Tour deutlich verschärfen.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Gipfelhöhe | 4.010 m |
| Bevorzugter Routenverlauf | WSW-Grat |
| Schwierigkeit | WS, bis etwa II |
| Aufstieg ab Hohsaas | etwa 4 Stunden |
| Gesamte Tagestour ab Hohsaas | ungefähr 6,5 bis 7,5 Stunden |
| Höhenmeter ab Hohsaas | rund 1.000 bis 1.070 Hm |
Meine Einschätzung fällt deshalb klar aus: Für erfahrene Hochtourengeher ist der Gipfel bei stabilen Verhältnissen gut machbar. Für Einsteiger in die Welt der Viertausender ist er nur dann eine gute Wahl, wenn sie bereits Steigeisen, Pickel und kurze Seilsicherung sicher beherrschen.
Der Zustieg von Hohsaas und die Routenführung
Von Hohsaas zum WSW-Grat
Der praktische Ausgangspunkt ist die Bergstation Hohsaas oberhalb von Saas-Grund. Sie liegt je nach Kartenstand und Angabe bei etwa 3.100 bis 3.140 Metern. Dadurch spart man gegenüber dem Talaufstieg mehr als 1.100 Höhenmeter, bezahlt diesen Vorteil aber mit einem sehr schnellen Einstieg in die dünne Höhenluft.
Von Hohsaas steigt man zunächst nach Norden ab und quert unterhalb des Hohlaubgletschers Geröll und Platten. In den frühen Morgenstunden kann dort Wassereis liegen. Über markante Bänder und brüchige Felsen erreicht man den unteren Bereich des Lagginhorns und anschließend den WSW-Grat.
Die genaue Spur kann sich mit dem Gletscherrückgang und den Bedingungen verändern. Die ältere Variante durch das Becken des Lagginhorngletschers gilt wegen zunehmender Steinschlaggefahr nur noch eingeschränkt als empfehlenswert. Wenn die Verhältnisse es zulassen, ist die Führung über den gesamten WSW-Grat die nachvollziehbarere Wahl.
Über den Grat zum Gipfel
Am Grat folgt man zunächst Wegspuren und Steinmännchen über mehrere Felsstufen. Der Abschnitt über die Punkte 3.231 und 3.355 Meter ist technisch meist moderat, verlangt aber konzentriertes Gehen. Schwierige Stellen werden am oberen Gratbereich teilweise südseitig umgangen.
Oberhalb von etwa 3.500 Metern wird das Gelände zunehmend felsiger. Platten und ein längeres Geröllfeld führen zu den Gipfelfelsen, die stellenweise brüchig und wenig solide sind. Im Frühsommer können dort steile Firnfelder mit einer Neigung um 40 Grad liegen. Vereister Schnee ist dann deutlich ernster zu nehmen als trockener Fels.
Die letzten Meter führen in leichter Kletterei auf den kleinen Gipfelbereich. Der Gipfel selbst ist nicht besonders geräumig. Bei vielen Seilschaften sollte man deshalb nur kurz verweilen und den Rückweg beginnen, sobald die Verhältnisse passen.
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Zeitbedarf und Varianten
| Startpunkt | Aufstieg | Abstieg | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Hohsaas | ca. 4 Stunden | ca. 2,5 bis 3 Stunden | Praktischer Tagestourenstart |
| Weissmieshütte SAC | 4 bis 5 Stunden | ca. 2,5 Stunden | Mehr Höhenmeter, ruhigerer Hüttenstart |
| Saas-Grund | deutlich länger | deutlich länger | Meist als Mehrtagestour sinnvoll |
Ab Hohsaas werden für die gesamte Tour häufig 6,5 bis 7,5 Stunden angesetzt. Diese Zeit enthält keine langen Pausen. Wer sich in großer Höhe noch nicht gut bewegt oder die Route erst suchen muss, sollte deutlich mehr Reserve einplanen.
Welche Ausrüstung für den Gipfel wirklich sinnvoll ist
Die Ausrüstung richtet sich stark nach dem Monat und der aktuellen Schneelage. Ich würde selbst bei einer trockenen Spätsommertour Steigeisen und einen leichten Eispickel mitnehmen, weil sich die Bedingungen in den schattigen Passagen schnell ändern können.
- Helm zum Schutz vor Steinschlag und ausgelösten Brocken aus der Seilschaft
- Hochtourenschuhe mit steigeisenfester oder bedingt steigeisenfester Sohle
- Steigeisen und Pickel für Firn, harte Altschneefelder und vereiste Platten
- Klettergurt, Seil und Sicherungsmaterial für kurze Seilsicherung und mögliche Rückzüge
- Handschuhe für Felskontakt, kalten Wind und den Umgang mit dem Pickel
- Stirnlampe, Offline-Karte und Ersatzakku, weil ein später Rückweg schnell in die Dunkelheit führen kann
Ein 30- bis 50-Meter-Seil kann für eine erfahrene Zweierseilschaft passend sein, sofern die Länge und die geplante Sicherung zusammenpassen. Entscheidend ist nicht, möglichst viel Material einzupacken, sondern die mitgeführte Ausrüstung auch anwenden zu können.
Bei einer trockenen, schneefreien Route liegt der Schwerpunkt auf Helm, Gurt, Seil und sicherem Klettern im Blockgelände. Sobald Firn oder Eis ins Spiel kommen, wird daraus eine klassische Hochtour. Dann müssen auch Anseilen, Steigeisentechnik und das Bremsen eines Ausrutschers sitzen.
Wann die Bedingungen passen und wann ich umdrehen würde
Am Lagginhorn macht eine gute Wetterprognose allein noch keinen guten Tourentag. Wichtig sind stabile Verhältnisse über mehrere Stunden, wenig Wind am Grat und möglichst trockener Fels. Nach Neuschnee, Regen oder einer warmen Wetterphase können sich die objektiven Gefahren innerhalb eines Tages deutlich verändern.
Ich würde die Tour nur mit ausreichender Akklimatisation angehen. Hohsaas liegt bereits über 3.000 Meter, und bis zum Gipfel kommen nochmals ungefähr 900 Höhenmeter hinzu. Wer schlecht schläft, Kopfschmerzen bekommt oder ungewöhnlich langsam wird, sollte den Gipfelplan nicht erzwingen.
Besonders kritisch sind die frühen Morgenstunden unterhalb des Hohlaubgletschers, vereiste Firnfelder im Gipfelbereich und lockere Felsen am oberen Grat. Die alte Gletscherbecken-Variante kann zusätzlich durch Steinschlag und wechselnde Spaltenverhältnisse problematisch sein.
Umkehren ist sinnvoll, wenn der Fels nass oder vereist ist, die Wegführung nicht eindeutig bleibt oder eine Seilschaft im schwierigen Gelände zu viel Zeit verliert. Der Gipfel ist weniger wichtig als ein kontrollierter Abstieg, denn die schwierigsten Entscheidungen fallen oft erst auf dem Rückweg.
Normalroute, Südgrat oder Bergführer
Wer zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann, sollte die Route nicht nur nach dem Gipfelziel beurteilen. Die Normalroute über den WSW-Grat ist der logischste Zugang von Hohsaas, während der Südgrat mehr Klettercharakter und eine längere alpine Seilschaft verlangt.
| Option | Für wen geeignet | Charakter |
|---|---|---|
| WSW-Grat | Erfahrene Hochtourengeher | Leichte Kletterei, Geröll, ausgesetzter Abstieg |
| Südgrat | Geübte Alpinkletterer | Mehr Kletterpassagen und anspruchsvollere Routenfindung |
| Bergführer | Erstbesteigung eines Viertausenders | Mehr Sicherheit bei Beurteilung, Seilführung und Rückzug |
Ein Bergführer ist besonders dann sinnvoll, wenn Hochtourenerfahrung fehlt, die Gruppe unterschiedlich stark ist oder die aktuellen Verhältnisse schwer einzuschätzen sind. Die Normalroute wirkt auf der Karte kurz, doch Orientierung und Abstiegstechnik machen in der Praxis den größten Unterschied.
Der entscheidende Plan für den Rückweg vom Viertausender
Wer ab Hohsaas startet, sollte vor der Tour die Betriebszeiten der Bergbahn, die Hütteninformationen und die aktuelle Routenbeschreibung prüfen. Für den Gipfeltag gehören außerdem ein früher Start, ein klarer Umkehrzeitpunkt und ausreichend Energiereserven in die Planung.
Rechne nicht damit, dass ein GPS-Track jede Schwierigkeit löst. Auf dem WSW-Grat können Steinmännchen fehlen, Firnfelder verschwinden und alte Spuren in brüchiges Gelände führen. Eine aktuelle Karte, lokale Informationen und die Bereitschaft zum Umkehren sind zuverlässiger als ein blindes Vertrauen in eine einzelne digitale Linie.
Bei trockenen Verhältnissen ist das Lagginhorn eine eindrucksvolle, technisch überschaubare Hochtour. Wer den Gipfel jedoch als einfache Wanderung plant, unterschätzt ihn. Mit guter Akklimatisation, passender Ausrüstung und konsequenter Sicherheitsreserve wird der Anstieg über den WSW-Grat zu einem lohnenden alpinen Erlebnis.